Seniorenwerkstatt

Der Unruhestand wird in Gengenbach sozial gelebt. Acht rüstige Rentner reparieren Bänke, säubern Brunnen und helfen aktuell beim Franziskusweg und dem "Trimm-Dich-Pfad für die Seele". Jeden Dienstagmorgen trifft sich die Seniorenwerkstatt zum Schaffen.

Treffen sich zwei Rentner im Wald. Die beiden würden sich gerne hinsetzen und ein wenig plaudern. Allerdings ist weit und breit keine Sitzbank in Sicht. Also reden sie im Stehen über Gott und die Welt, irgendwann dann über die Seniorengruppe in Berghaupten, die Sitzbänke an Wanderwegen installiert, sogar eine auf Gengenbacher Gemarkung! Das wäre doch auch was, sagen die beiden.

Ungefähr so begann im Jahr 2000 die Seniorenwerkstatt in Gengenbach, die mittlerweile nicht mehr aus dem Stadtleben wegzudenken ist. Auf Skepsis ("neue Schwarzarbeitertruppe") stießen sie selten, auf ein "gute Idee" oft. Vom Rathaus, namentlich es damaligen Bürgermeisters Michael Roschach, wurden sie gleich unterstützt, brauchen sie Holz oder Benzin, müssen sie nur zum Bauhof fahren.

"In Gengenbach gibt’s immer eine Bank zum Hinsetzen"

Jeden Dienstagmorgen um halb neun treffen sich Werner Suhm und seine sieben Kollegen am Forsthaus am Vogelsang, neben dem Schleichweg nach Reichenbach. Die einen kommen mit dem Rad, die anderen mit dem E-Bike oder Auto den Buckel hoch. Die acht Gengenbacher sind zwischen 67 und 76 Jahre alt und übten fast alle ein Handwerk aus. Sie waren Schreiner, Gipser, Blechner, Elektriker. Auch zwei Kaufleute sind dabei, aber auch die können mit Säge, Hammer und Pinsel umgehen. "Wir sind alle Handwerker."

Das alte Forsthaus am Waldrand ist ihr Reich. Sie haben es renoviert, ebenso wie den Schopf gegenüber, den sie auch gleich noch erweitert haben. Es riecht nicht nur nach Arbeit (Holz, Späne, Lack), sondern es schaut auch nach viel Arbeit aus. Im Schopf ist eine Säge und eine Bandschleifmaschine, davor eine Schubkarre. Im Hof steht der Kramer-Schlepper und tuckert abfahrbereit vor sich hin. Irgendwo im Wald ist ein Sandsteinbrunnen verstopft, der muss heute wieder in Gang gebracht werden. Mehrere Holzstapel sind geschichtet, Brennmaterial für den Winter, denn eine Pause gibt es für die acht Männer nicht. Im Forsthaus liegt die aktuellste Projekt auf mehren Böcken verteilt. Es sind Tafeln für den "Trimm-Dich-Pfad für die Seele" und Schilder für den Franziskusweg. Zu den weiteren Aufgaben zählt der Bau von Tribünen bei Kirchenfesten und auch beim Roten Kreuz und beim Adventskalender helfen sie mit.

Dann gibt es noch die 92 Sitzbänke rund um Gegenbach im Wald und an den Wanderwegen. Diese müssen harte Zeiten durchmachen, Wind und Wetter, Hitze und Kälte, setzen dem Holz zu. Die Latten werden dabei porös, bleichen aus, faulen. Also müssen sie ausgetauscht werden. Ständig hat man zehn Bänke auf dem Hof, das macht zusammen 60 Latten. Währenddessen werden Ersatzbänke aufgebaut, bis die alten wieder wie neu ausschauen. "In Gengenbach findet man immer eine Bank zum Hinsetzen", zitiert ein Rentner Touristen, die er im Wald getroffen hat. Auf diese Leistung ist man sehr stolz. "Wir sind fit", sagen die Acht, und denken noch lange nicht ans aufhören. "Wer rastet, der rostet." 

(Artikel von Pascal Cames aus der Badischen Zeitung)


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